Sitzung läuft ab

Die Sitzung endet in Sekunden.

 
Barrierefreiheit Einstellungen
Einstellungen für die Barrierefreiheit

Schriftgröße
A A A
Kontrastmodus
Eingeschaltet Ausgeschaltet
Bilder
Anzeigen Verbergen
weisses - grafisches Element

Wohnrecht: Bedeutung für Eigentümer und Wohnberechtigte

Sie haben Ihre Traumimmobilie gefunden, doch sie hat scheinbar einen Makel: ein eingetragenes Wohnrecht. Wir klären, was das Wohnrecht für Eigentümer und Wohnberechtigte bedeutet, damit Sie sich bestens informiert entscheiden können.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Wohnrecht erlaubt einer Person, eine Immobilie zu nutzen, ohne deren Eigentümer zu sein.
  • Um alle Parteien zu schützen, wird das Wohnrecht durch einen Notar ins Grundbuch eingetragen.
  • Wohnrechtinhaber dürfen die Immobilie wie vereinbart nutzen und sind für die Instandhaltung verantwortlich.
  • Eigentümer sind gefragt, wenn es um bauliche Veränderungen oder große Reparaturen geht.

Nutzungsrecht

Was bedeutet Wohnrecht bei einer Immobilie?

Das Wohnrecht ist eine Regelung im Immobilienbereich, die es Personen ermöglicht, eine Immobilie zu bewohnen, ohne deren Eigentümer zu sein – oft auf Lebenszeit. Alles rund um das Wohnrecht regelt das BGB. Wohnrecht und Nießbrauchrecht werden häufig gleichzeitig thematisiert. Wichtig für Sie ist zu wissen: Wohnrecht und Nießbrauchrecht unterscheiden sich voneinander. Denn das Wohnrecht beinhaltet nur das Recht, selbst in der Immobilie zu wohnen. Während der Nießbrauch zusätzliche wirtschaftliche Vorteile wie Vermietung oder Erträge beinhaltet.

Für Immobilienbesitzer oder Interessenten, die überlegen, eine Immobilie mit Wohnrecht zu erwerben, stellt sich die Frage: Welche Arten von Wohnrecht gibt es? Und welche Auswirkungen hat ein solches Recht auf den Wert und die Nutzung einer Immobilie?

Regelung

Festlegung des Wohnrechts

Im Idealfall wird das Wohnrecht bei einem Notartermin durch einen Notar in das Grundbuch eingetragen. Es legt alle Einzelheiten fest und dient der Absicherung beider Parteien. Außerdem sorgt der Notar dafür, dass alle rechtlichen Anforderungen des Wohnrechts im Interesse beider Parteien eingehalten werden. Der Eintrag ins Grundbuch macht das Wohnrecht auch für Dritte sichtbar und stellt sicher, dass bei einem Verkauf das eingetragene Wohnrecht weiterhin gilt. Alle Eintragungen im Grundbuch sind auf dem Grundbuchauszug sichtbar.

Löschung des Wohnrechts

Die Löschung des vereinbarten Wohnrechts erfolgt, indem der Eigentümer der Immobilie einen schriftlichen Antrag beim zuständigen Grundbuchamt stellt, beziehungsweise einen Notar damit beauftragt. Voraussetzung dafür ist allerdings die Zustimmung oder das Ableben des Berechtigten. Häufig wird vereinbart, dass der Umzug in ein Pflegeheim oder in eine andere Immobilie zur Löschung des Wohnrechts führt. Eine Meldebescheinigung, im Idealfall mit einer öffentlich beglaubigte Bewilligung der Löschung durch den Berechtigten, erlaubt die Löschung aus dem Grundbuch.

Abkauf des Wohnrechts

Werden sich beide Parteien einig, kann eine Löschung des Wohnrechts auch durch den Abkauf oder durch eine andere Abfindung realisiert werden.  

Formen

Arten von Wohnrecht

Das Wohnrecht wird in unterschiedlichen Arten verwendet. Die bekanntesten Varianten sind das lebenslange Wohnrecht, befristetes Wohnrecht und das Teil-Wohnrecht. Jede Art des Wohnrechts bringt eigene Rechte und Pflichten mit, die berücksichtigt werden müssen. Deswegen empfehlen unsere Immobilienmakler stets, sich von Experten beraten zu lassen.

Lebenslanges Wohnrecht

Hierbei hat der Wohnberechtigte das Recht, die Immobilie bis zu seinem Lebensende zu bewohnen. Es findet häufig Anwendung in der Familie, denn Sie können Angehörige absichern und gleichzeitig die Immobilie im Familienbesitz halten. In manchen Fällen ist das lebenslange Wohnrecht allerdings unzumutbar. Das gilt, wenn die Immobilie bauliche Mängel hat oder die Wohnsituation andere Probleme verursacht. In diesem Fall kann das Wohnrecht angefochten werden.

Befristetes Wohnrecht

Dieses Wohnrecht ist im Gegensatz zum lebenslangen Wohnrecht zeitlich begrenzt und erlischt nach Ablauf der vorher festgelegten Frist.

Teil-Wohnrecht

Der Wohnberechtigte hat in diesem Fall das Recht, bestimmte Teile der Immobilie zu nutzen, wie beispielsweise ein einzelnes Zimmer oder eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus.

Verantwortung

Rechten und Pflichten beim Wohnrecht

Nach dem Beschluss des Wohnrechts haben sowohl Wohnrechtsinhaber und Eigentümer der Immobilie Rechte und Pflichten, an die sie sich halten müssen.

Rechte und Pflichten des Wohnrechtinhabers

Der Wohnrechtsinhaber hat das Recht, die Immobilie gemäß den vertraglichen Vereinbarungen zu nutzen. Dazu gehört auch der Anspruch auf Instandhaltung der Immobilie und die Nutzung gemeinsamer Anlagen wie Gärten oder Treppenhäuser. Im Gegenzug ist der Wohnrechtsinhaber verpflichtet, die Immobilie zu pflegen, kleinere Reparaturen zu übernehmen und sich an die Hausordnung zu halten sowie ein respektvolles Verhalten gegenüber Nachbarn zu wahren. Das Nutzungsrecht bestimmt, in welchem Umfang und zu welchem Zweck die Immobilie genutzt werden darf, etwa nur als Wohnraum oder auch für andere Zwecke. Die vertragliche Ausgestaltung gibt die Rahmenbedingungen vor und sollte individuelle Wünsche beider Seiten beinhalten, um Nutzungskonflikte zu vermeiden.

Rechte und Pflichten des Eigentümers

Der Eigentümer der Immobilie mit Wohnrecht ist für den Zustand der Immobilie verantwortlich. Er hat dafür zu sorgen, die Immobilie bewohnbar zu halten und den Wohnrechtsinhaber über geplante Sanierungsmaßnahmen zu informieren, die die Nutzung beeinflussen könnten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Besichtigungsrecht. Der Eigentümer hat zwar das Recht, seine Immobilie zu besichtigen, allerdings muss er dabei die Interessen des Wohnrechtsinhabers respektieren.

Eigentümerpflichten

Hausverkauf mit Wohnrecht – Ist das möglich?

Immobilien, an die Wohnrecht gebunden ist, können verkauft werden. Dabei ist es wichtig, dass der Käufer über das bestehende Wohnrecht informiert ist und dieses akzeptiert. Denn das Wohnrecht gilt auch beim Wechsel der Eigentümer. Als Verkäufer einer Immobilie ist die Transparenz im gesamten Verkaufsprozess besonders wichtig. So vermeiden Sie Probleme beim Verkauf Ihrer Immobilie oder gar rechtliche Auseinandersetzungen.


Unser Tipp

Verkauf mit Rückendeckung


Holen Sie sich beim Verkauf Ihrer Immobilie Unterstützung von einem Immobilienmakler. So können Sie sicher sein, dass der Verkauf reibungslos vonstattengeht und keine unangenehmen Folgen mit sich führt.

Was passiert im Erbfall?

Wie sieht es aus, wenn Menschen eine Immobilie mit Wohnrecht erben? In dem Fall bleibt das Wohnrecht des Berechtigten weiter bestehen. Ähnlich wie beim Verkauf verändert sich lediglich der Eigentümer der Immobilie. Das Wohnrecht selbst kann nicht weitervererbt werden.

Bewertungskriterium

Wohnrecht und Immobilienwert

Was Sie wissen sollten: Ein eingetragenes Wohnrecht mindert den Wert der Immobilie, da der Käufer die Immobilie nicht frei nutzen kann. Den Wert des Wohnrechts können Sie mithilfe einer Auszahlungstabelle berechnen. Sie bezieht sich unter anderem an dem Wert der jährlichen Mieteinnahme. Grundsätzlich gilt: Je länger das Wohnrecht gilt, desto mehr Wert verliert die Immobilie.  

Zur Wohnmarktanalyse

Berechnung Wohnrecht

Um das lebenslange Wohnrecht zu berechnen, eignet sich die Formel, die ebenfalls von Finanzbehörden genutzt wird. Dazu benötigen Sie die Jahresmiete* und den Kapitalwertfaktor. Den Kapitalwertfaktor lesen Sie in der Tabelle des Bundesfinanzministeriums ab.

 *Ausnahme: Die Jahresmiete darf nicht höher sein als der Immobilienwert geteilt durch 18,6.

Männer Männer Frauen Frauen
Vollendetes Lebensalter Durchschnittliche Lebenserwartung Kapitalwert­faktor Durchschnittliche Lebenserwartung Kapitalwert­faktor
0 Jahre 78,17 18,398 82,99 18,462
20 Jahre 58,63 17,872 63,40 18,055
40 Jahre 39,24 16,396 43,73 16,855
50 Jahre 29,93 14,919 34,15 15,680
60 Jahre 21,34 12,722 25,03 13,791
70 Jahre 14,01 9,858 16,72 11,050
80 Jahre 7,88 6,430 9,46 7,424
90 Jahre 3,50 3,192 4,15 3,722

Quelle: Bundesministerium der Finanzen, Vervielfältiger für Bewertungsstichtage ab 1. Januar 2025. Veröffentlicht am 9. Dezember 2024. Vervielfältiger zur Berechnung des Kapitalwerts lebenslänglicher Nutzungen oder Leistungen. Auszug der Tabelle mit Kapitalwertfaktor in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht.

Formel zur Berechnung des Wohnrechtwerts

Jahresmiete x Kapitalwertfaktor = Wohnrechtwert

Beispiel:
Ein Haus hat einen Wert von 300.000 €. Die Monatsmiete beträgt 600 €. Die Verkäuferin mit lebenslangem Wohnrecht ist weiblich und 60 Jahre alt. Laut Tabelle liegt ihre durchschnittliche Lebenserwartung bei 25,18 Jahren und der Kapitalwertfaktor liegt bei 13,830.

(Jahresmiete 12 x Miete 600 €) Kapitalwertfaktor Wohnrechtwert
7200 € x 13,830 = 99.576 €
Die Jahresmiete ist nicht höher als der Immobilienwert geteilt durch 18,6.

Abwägung

Vor- und Nachteile des Wohnrechts

Das Wohnrecht wird meist zur Absicherung von Personen genutzt. Es bringt für Eigentümer, Berechtigte und interessierte Immobilienkäufer Vorteile als auch Nachteile mit sich.

Vorteile Wohnrecht:

Für Eigentümer:
  • Eigentümer können ihre Immobilie an andere Personen weitergeben, etwa an Kinder, und gleichzeitig einen dauerhaften Wohnort für sich oder nahestehende Personen sichern.
  • Das Wohnrecht steigert die Flexibilität in der Immobiliennutzung und -verwertung, da Eigentum und Nutzungsrechte getrennt bleiben.
Für Wohnrechtsinhaber:
  • Ermöglicht ein lebenslanges Wohnen, oft ohne Mietkosten. Gerade im Alter ist diese finanzielle Entlastung wichtig zur Absicherung von Personen.
  • Es bietet dem Berechtigten langfristige Sicherheit, selbst wenn die Immobilie verkauft wird.
Für Immobilienkäufer:
  • Immobilien mit bestehendem Wohnrecht sind beim Kauf günstiger, da das Wohnrecht den Kaufpreis mindert.
  • Der Eintrag im Grundbuch sichert alle Beteiligten ab und definiert die Absprachen rund ums Wohnrecht.

Nachteile Wohnrecht:

Für Eigentümer:
  • Das Wohnrecht schränkt die volle Nutzung und Verwertung der Immobilie ein, da der Berechtigte uneingeschränkt in der Immobilie wohnen darf.
  • Größere Umbauten oder bauliche Veränderungen benötigen die Zustimmung des Wohnrechtsinhaber, wenn sich durch die Baumaßnahme der Wohnkomfort verändert.
Für Wohnrechtsinhaber:
  • Der Berechtigte ist meist verpflichtet, die Immobilie pfleglich zu behandeln und für kleinere Reparaturen selbst aufzukommen.
  • Ein Wohnrecht schränkt die Flexibilität des Wohnortes ein, da es an eine bestimmte Immobilie gebunden ist.
Für Immobilienkäufer:
  • Das Wohnrecht mindert die Flexibilität in der Nutzung und Wertsteigerung der Immobilie, da der Wohnrechtsinhaber in der Regel lebenslanges Nutzungsrecht besitzt.
  • Das Wohnrecht ist im Grundbuch eingetragen und senkt den Wiederverkaufswert.

Möglichkeiten

Alternativen zum Wohnrecht

Neben dem Wohn- und Nießbrauchrecht gibt es noch weitere Alternativen, um Personen ein dauerhaftes Wohnen in einer Immobilie zu ermöglichen. Das Dauerwohnrecht oder lebenslange Mietverträge werden ebenfalls gerne genutzt.

Stehen Sie vor der Entscheidung, sollten Sie sich an einen Experten wenden. So entscheiden Sie anhand Ihrer Wünsche, welche Lösung die optimale für Ihre Lebenssituation ist.

Für alle Fragen rund um den Kauf und Verkauf von Immobilien stehen wir Ihnen gerne zur Seite.

Jetzt Immobilienmakler kontaktieren

FAQ

Kann ein Wohnrecht vererbt werden?

Nein, das Wohnrecht kann nicht vererbt werden. Mit dem Tod erlischt das Wohnrecht.


Kann ein Wohnrecht nachträglich aufgehoben oder geändert werden?

Ja, das Wohnrecht kann nachträglich aufgehoben oder geändert werden. Wenn sich beide Parteien einig werden, kann eine Löschung des Wohnrechts durch Abkauf oder durch eine Abfindung realisiert werden.


Welche steuerlichen Auswirkungen hat ein Wohnrecht?

Das Wohnrecht unterliegt der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Lassen Sie sich am besten von einem Steuerberater zu dem Thema beraten.


Kann der Eigentümer die Immobilie trotz Wohnrecht noch nutzen?

Es kommt auf die Art der Immobilie und die festgelegten Rechte an. Gilt das Wohnrecht für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, kann der Eigentümer die restlichen Wohnungen nutzen.


Wer übernimmt Nebenkosten und Instandhaltung beim Wohnrecht?

Anfallende Nebenkosten und Reparaturkosten trägt der Wohnberechtigte. Der Eigentümer muss allerdings anfallende Sanierungskosten tragen.


Auch interessant:



Wichtiger Hinweis: Die vorangehenden Texte dienen der ersten Information und  Orientierung. Sie sind keine Rechtsberatung und ersetzen nicht die Fachberatung durch einen Notar oder Anwalt.